Dort wo sich Hexen, Vampire und Gespenster einmal im Jahr
treffen um ihr Fest Halloween zu feiern, steht die staatliche Burg
Frankenstein. Am Fuße Darmstadts auf einem bewaldeten Höhenrücken
in besagter Burg, lebte einst ein Alchimist Namens Konrad Dippel,
der aus Menschenteilen einen Unhold erschaffen haben soll.
Dieser Mythos diente wohl dem bekanntesten Klassiker der Literaturgeschichte,
Marry Schellys „Frankenstein“, als Vorlage.
Ein Gespräch mit dem Pächter und Gastronom Matthias
Bührer soll etwas Licht in das dunkle Geheimnis der Burg
bringen.
Herr Bührer, wie lange sind sie schon Pächter der
Burg Frankenstein?
M. Bührer: Seit 1974. Vorher gab es auch einen Pächter
der konnte sich aber nicht sehr lange halten.
Was ist dran am Mythos der Burg?
M. Bührer: Die Geschichte ist genial wie faszinierend. Auf
dieser Burg wurde um 1600 ein Pfarrerssohn Namens Konrad Dippel
geboren. Dieser war Alchimist und experimentierte dort oben in
der Burg. Da dies dem Pfarrer im Dorf gefiel, setzte er das Gerücht
in die Welt, der Junge Dippel würde Leichen ausgraben und
mit ihnen Versuche machen. Aus Menschenteilen hätte er einen
Unhold geschaffen, ihn mit Zauberkräften zum Leben erweckt
und ihm in seinem Kerker eingesperrt. Da dieser Unhold aber groß
und stark war, befreite er sich nach drei Tagen aus seinem Gefängnis
und erschlug seinen Erschaffer. Danach flüchtete er in die
Wälder und fing junge Mädchen und kleine Kinder, um
mit ihnen zu spielen. Wenn er genug gespielt hatte, kochte er
sie bei lebendigen Leib und fraß sie auf.
Wie ist das Meisterwerk von Marry Shelly entstanden?
M. Bührer: Irgendwann waren die Gebrüder Grimm unterwegs
und sammelten Märchen im ganzen Land. Dabei stießen
sie auch auf diese Geschichte. Obwohl dies kein Märchen war
schickten sie es ihrer Übersetzerin nach England. Diese war
die Stiefmutter von Marry Shelly. Nachdem Marry Shelly diese Geschichte
gehört hatte, machte sie sich auf nach Deutschland um sich
die Burg selbst anzuschauen und zu erfahren was wirklich dran
ist am Mythos. Daraufhin entstand das Buch „Frankenstein“.
Die Burg Frankenstein ist bekannt für ihre Halloween
Fest am 31. Oktober. Wie entstand diese Tradition?
M. Bührer: 1977 kam ein Amerikaner zu uns auf die Burg und
fragte, ob er und seine hier in Deutschland stationierten Soldaten,
Halloween feiern durften. Wir haben dem zugestimmt und freuten
uns riesig auf die 500 angemeldeten Gäste. Am Abend des 31.Oktober
1977, kamen aber nicht 500 Gäste, sondern 5000. Die ganze
Burg, der Wald um die Burg herum waren belagert von Männern
in Vampir-, Gespenster-, und Mumienkostümen. Weil dieses
Fest so gut war, wurde es im darauffolgenden Jahr wiederholt.
Das geht nun seit 23 Jahren jedes Jahr so.
Welche Specials bietet die Burg Frankenstein noch an?
M. Bührer: Wir bieten alles an. Über Hochzeiten, Familienfeiern,
Geschäftsessen bis hin zum Weihnachts- und Silvesterdinner.
Natürlich immer mit dem gewissen Gruseln.
Die Burg Frankenstein ist eine der interessantesten historischen
Gebäude des Mittelalters. Ob dies Marry Shellys „Frankenstein“
zu verdanken ist, ist nicht ganz abzustreiten. Aber auch ohne
den Mythos ist diese Burg einen Besuch wert.